Time to act III

FLÜCHTLINGSLAGER TRAISKIRCHEN TAG 5

Was früher einen großen Aufwand bedeutete, geht heute innerhalb von wenigen Stunden. Das finde ich wirklich sensationell.
Wovon ich rede? Vom heutigen Light Mob in Traiskirchen. Gestern am Abend chatteten Karin, Constanze und ich. Wir besprachen welche Aktion Sinn macht. Karin hatte vor Tagen die Idee einer Lichterkette um das Lager und die fand ich sensationell gut. Constanze hatte für heute schon eine Hand in Hand Aktion geplant und so legten wir die beiden Ideen zusammen und Constanze legte eine FB Veranstaltung an.

Jeder verteilte in der kurzen Zeit die Veranstaltung via FB oder lud ein. Was dabei rauskam kann sich wirklich sehen lassen und es macht mich so glücklich. LEUTE DANKE! ICH LIEBE EUCH!
Ca. 100 Personen kamen ganz spontan um 17:17 zum Lager. Fast alle Gesichter und Herzen waren mir vertraut, viele Umarmungen und kurze Gespräche. Dann spürten wir schon, dass wir an der Kreuzung äußerst schlecht stehen. Missmutige Äußerungen einiger österreichischer Passanten, veranlassten uns einen Platz zu finden, der weiter weg liegt und weniger stört.

Auf dem Weg hatten wir ein sehr schönes und freundliches Gespräch mit einem Anrainer. Ich bewunderte die Art und Weise wie er trotz größter Anspannung ruhig und freundlich mit uns sprach. Er sagte: „Wir sind verzweifelt, weil wir seit Monaten keine Nacht ungestört schlafen können. Da hat jemand im Camp eine Flöte geschenkt bekommen und seit 2 Monaten versucht er ab 22:30 zu spielen.“ „Wie soll ich es denn freundlich ausdrücken,“ sagte er „er ist äußerst untalentiert und bleibt hartnäckig dabei.“
Wir können die Emotion der Menschen in der Nachbarschaft sehr gut verstehen. Am Heimweg treffen wir ihn und seine Frau wieder. Sie fragten ob wir erfolgreich waren. Ich sagte: „Klar und wir geben nicht auf.“

Wir beschliessen uns vor dem Zaun zu versammeln. Constanze und Karin sprechen wunderbare einleitende Worte. Der junge Syrer von gestern, der so gerne mehrmals in der Woche Deutsch lernen würde, kommt und begrüßt uns herzlich. Ich schnappe mit Petra und stelle sie ihm vor. Petra hat sich schon ein bisschen vorbereitet und wird ihr Bestes versuchen. Danke dir! Und gerade eben kommt noch eine Pn herein von Fritz, der sie gerne dabei unterstützen möchte. DANKE EUCH!

Wir bilden eine Menschenkette, nehmen uns bei den Händen und wenden unsere Aufmerksamkeit den Menschen im Lager zu. Die ersten kommen näher. Dann beginnen wir zu singen. Einfache aber wunderbare Lieder. Das wunderschöne Namasté von Taato Gomez, give peace a chance,…

Es kommen immer mehr Männer und bilden einen Kreis innen und reichen uns die Hände durch den Zaun. Meine liebe ältere syrische Mama kommt auch heraus und ich kann ihr ihre Kosmetik geben. Sie nimmt Karin bei der Hand, schließt die Augen und geht sichtlich bewegt ins Gebet. Ein junger Iraker steht vor mir. Wir schauen uns lange in die Augen, während wir uns die Hand halten. Alle sind bewegt, die Jungen zücken ihre Handys und filmen das um es ihren Familien zu zeigen. Ein Mann aus Bangladesh lächelt, wie er Namasté hört, Frauen kommen mit kleinen Kindern zu uns. Eine junge Afghanin ist tränenüberströmt, schaut mich an. Ich nicke ihr zu, sie weint noch mehr und geht wieder. Es war so unendlich berührend, im wahrsten Sinne. Hand in Hand mit den Flüchtlingen. Manche, die draußen standen, verbanden sich mit uns und sangen mit.

Ich kann das was ich alles gesehen und vor allem gespürt habe, gar nicht intensiv genug beschreiben. Viele von den 100 wunderbaren Menschen blieben dann noch und redeten mit den Flüchtlingen. Es war ihr erster Kontakt und sie waren sichtbar tief berührt. Ich werde, da morgen alle meine Kinder kommen und bereits den Wunsch äußerten nach Traiskirchen zu fahren, wieder dort sein. Das habe ich auch „meiner Zeltfamilie“ gesagt. Sie freuen sich, denn morgen gibt es Essen.

Was sie sich wünschen?
Hühnerfleisch wäre so fein und Kartoffeln und Gemüse.
Wie wäre es mit Shorts? Ja, Rajiv hätte gerne eine Short in Größe 48 und bitte ein bisschen Make-Up, eine Gesichtscreme oder was zum Schminken für die Frauen. Mit Händen und Füssen reden wir.
Als ich einen Lippenstift nachmachte, lachte Leila verlegen und nickte.

Also gibt es morgen Essen und Kosmetikprodukte. Wenn wer von euch morgen um 15:00 da ist und einige Shampoo und Creme Packerl hat, die in Deutsch oder Englisch beschriftet sind, wüsste ich schon wer sich darüber freut.

Der Light Mob _ Hand in Hand mit den Flüchtlingen findet jetzt regelmäßig statt.
Heute, Di., 18.08. um 18:00 in der Paffstättner Strasse

Zum Schluss die gute Nachricht.
Unser lieber Mody darf endlich zu seinem 10 jährigen Bruder nach Salzburg. Wir freuen uns sehr für ihn uns werden ihn hier vermissen.

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