Flüchtlingslager Traiskirchen Tag 6.

Heute war der 2. Hand in Hand Light Mob in Traiskirchen.
Wir fuhren schon 1 1/2 Std. vorher hin, um das Essen zu verteilen, kleine Kosmetikpaketchen an jene zu verteilen, die es sich gewünscht haben. Die Frauen waren so dankbar für ein bisschen Schminke, Cremen und Deos.
Die Stimmung ist anders, leichter. Es sind sichtbar weniger Zelte. Viele dürften bereits wo anders sein. Dennoch ist die Gesamtsituation nach wie vor erschütternd und keinesfalls in Ordnung.

Die Hühnchen mit Gemüseeintopf waren rasch weg. Kleine Kinder stellten sich an und auch einige größere Jungs und eine schwangere Frau. Was mich wirklich rührte, was ein sehr junger Afghane. Er half mit den Servietten und dann bekam er eine Portion. Als alles leer war, kam noch einmal die schwangere Frau und bat um eine Portion für ihr Kind und ohne mit der Wimper zu zucken, schenkte er ihr seinen Teller. Da fiel mir ein, dass ich einen Notteller in meinem Auto abgestellt hatte und führte ihn hin. Als er den Teller sah, leuchteten seine Augen. Das war das schönste Strahlen und er legte seine Hand auf sein Herz und sagte Danke. Ich machte es ihm gleich. Er hat mich sehr tief im Herzen berührt.

Dann gingen wir ums Lager in die Akademiestrasse. Dort lernte ich Ali kennen, den meine Tochter Denise über Fb kontaktierte. Ali ist ein sehr bezaubernder junger Mann, der sehr gut Deutsch, Englisch und Arabisch spricht und mitkam, um zu helfen, zu übersetzen. DANKE Ali, für deine Hilfe!
Wir trafen 2 somalische Frauen, die am Boden saßen. Ali sprach mit ihnen und fragte sie ob sie Kosmetik brauchen. Sie freuten sich sehr. Ein zarter Lippenstift, ein bisschen Maskara, ein Moskitogel und ein Pflaster löste große Freude aus.

Das was mich wirklich erschüttert ist, dass die Verteilung der Hilfsgüter nach wie vor überhaupt nicht zu funktionieren scheint. Sie erzählten mir, dass sie sich beim Caritas Bus anstellten, weil von einer die Schuhe sichtbar kaputt sind. Sie wollte Schuhe und bekam ein Shampoo, das sie nicht braucht. Ein Mann möchte ein T-Shirt und bekommt Kindernahrung usw. Nicht, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiter hier was falsch machen, sondern ich glaube einfach, dass die Sprachhüde einfach zu groß ist. Die Mitarbeiter sind großartig und verdienen sich größte Achtung für ihren Einsatz.

Die Dame von der Caritas erzählte uns, dass sie das letzte Mal auch Bananenspenden ausnahmsweise angenommen haben und mit verteilt haben und dass das der grosse Renner war. Das haben wir auch gesehenMarius, gell?
Sie haben genug Spenden. Es wird nichts mehr gebraucht, außer Taschen und Schuhe. Auch Kinderwägen werden nicht gebraucht, da eine Firma 10 spendete.

Dann wanderten wir zum Light Mob. Es waren noch mehr wunderbare Menschen hier. Ich schätze so 130 Personen. Danke für euer Kommen und Geben. Bevor wir anfingen kam die Polizei. Sie wollten mich, Karin und Constanze sprechen. Sie meinten, dass das Händereichen eine öffentliche Versammlung ist und angemeldet gehört. Sie nahmen unsere Daten auf, sagten, dass es keine Anzeige geben wird, wir aber bitte weitere Veranstaltungen anmelden müssen. Es wurden Warnwesten verteilt und einige aus der Gruppe haben sich bereit erklärt auf alle aufzupassen, so dass die Strasse frei bleibt. Die beiden netten Polizisten blieben die ganze Zeit bei uns und passten gut auf uns auf. Danke an die Polizei!

Diesmal waren nicht so viele Menschen bei uns innerhalb des Camps. Ich nehme an, dass es an der Uhrzeit gelegen ist. Um 17:00 ist Essenszeit und die Schlangen sind immer noch lange. Statt 4 Std. sind es jetzt 1-2 Std. zum Anstellen.

Doch die mir schon so liebgewordenen Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak und Kurdistan kamen zu uns. Sie nahmen unsere Hände und als wir Taato´s wunderschönes Lied Namasté sangen, flossen die ersten Tränen. Eine wunderschöne junge Syrerin, die meine Hand hielt weinte und ich mit ihr. Ich konnte nicht anders, da ich ihr Leid spürte. Ich betete innerlich, dass sich all das Leid in den Herzen der Menschen auflöst und sie es gut haben, wo auch immer sie leben werden. Meine liebe ältere Syrerin weinte ebenfalls, hielt meine Hand ganz fest und betete innig. Die Männer standen mit den Frauen am Zaun und ihre Augen zeigten Mut, Stärke und Würde. Ich bewundere sie sehr für ihre Kraft. Dann „Give peace a chance.“ Es kommen junge Menschen und Kinder zum Zaun, nehmen ebenfalls unsere Hände. Ein kleines Mädchen mit Papa aus dem Irak hielt die Hand von meine Mama. So süße unschuldige Kinder.

Die junge Syrerin erzählte mir danach, dass sie alleine hier ist. Ihre 3 Kinder sind in Syrien bei ihrem Mann und seiner Familie geblieben. Sie gehört einfach zur falschen ethnischen Gruppe. Das Jüngste ist einige Monate alt. Unvorstellbares Leid. Hinter all den Gesichtern steckt eine einzigartige Geschichte, die wir nicht kennen. Die jungen sehr gebildeten Männer aus Syrien erzählen mir, dass sie von der IS geflüchtet sind. Eine andere Frau erzählte mir, dass sie ein Gemüsegeschäft hatte und daneben lagen die Toten.

Und was machen so viele meiner Landsleute? Sie „ver“bilden sich durch TV Konsum und Zeitungsinformationen, die nicht der Wahrheit entsprechen. Sie regen sich auf, dass sie beim Mediamarkt in der Schlange mit Flüchtlingen stehen müssen und sind neidig, zutiefst neidig auf ihre Handys. Ganz ehrlich. Wenn ich in ein Lager müsste, aus welchen Gründen auch immer und meine Familie ist nicht bei mir, sondern irgendwo und ich weiß nicht ob sie lebt oder schon zerbombt wurden, dann wäre eines der ersten Dinge, die ich mir kaufen würde, ein Handy und zwar eines, mit dem man auch skypen kann und facebooken. So schaut´s aus.

Und zu guter Letzt die beste Nachricht der Tages.
Nach einigen merkwürdigen Komplikationen heute, darf Mody morgen doch das Camp verlassen und zu seinem kleinen Bruder und seiner Tante nach Salzburg Taxenbach. Ich hab ihn so in mein Herz geschlossen und wünsche ihm aus ganzem Herzen سفر جيدة!

Danke ihr Lieben für euren Einsatz, eure Barmherzigkeit, euer Bemühen die Grenzen und Trennungen zu überwinden. Was ist die Liebe wert, wenn sie nicht zum Ausdruck gebracht wird? Nichts. Doch wenn du sie spürst und andere dabei berührst, dann veränderst du die Welt!